Coronavirus: deutsches Pflegesystem auf dem Prüfstand

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Das Coronavirus und die damit verbundene Lungenkrankheit COVID-19 hat rasend schnell Deutschland erreicht. Momentan spüren wir den Gipfel des Geschehens: öffentliche Einrichtungen haben geschlossen, der Bahn-Verkehr wird eingeschränkt und die Regale in Supermärkten sind leer gefegt. Aber was passiert mit den betroffenen, wer kümmert sich um die infizierten? Seit Jahren herrscht in Deutschland ein Pflegenotstand – und das bereits ohne ein neuartiges Virus. Das deutsche Pflegesystem wird nun mehr denn je gefordert. Kann es diese Nachfrage überhaupt bewältigen?

Wie das Coronavirus seinen Weg nach Deutschland fand

Alles begann im Dezember 2019 – der Jahreszahl verdankt das Virus auch seinen Namen – mit einer Fledermaus. Wie genau dieses Virus zum Menschen kam, lässt sich nur vermuten. Höchstwahrscheinlich aber war ein anderes Säugetier der Überträger. Anfang Januar 2020 meldete erstmals die chinesische Großstadt Wuhan Infizierte, ca. anderthalb Monate nach dem ersten Auftreten. Zu spät, wie sich später herausstellen sollte. Die Stadt Wuhan ist mit rund elf Millionen Einwohnern ein Dreh- und Angelpunkt – nicht nur für Einheimische. Viele ausländische Flüge starten und fliegen aus der Millionenstadt. Während der Verschwiegenheit der chinesischen Regierung flogen zahlreiche Menschen in und aus der infizierten Stadt, und infizierten sich und unwissend weitere.

In Deutschland wurde das Virus erstmals Ende Januar in Bayern bei einem Patienten bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt galt das Infektionsrisiko als gering. Anderthalb Monate später spricht das Robert-Koch-Institut von einem hohen Gesundheitsrisiko für die deutsche Bevölkerung (Stand: 17.03.2020). Einzelne Bundesländer (vor allem Bayern) handeln jetzt konsequent und stellen das öffentliche Leben der Bevölkerung vorerst in den Hintergrund. Die langsame Ausbreitung stehe an erster Stelle – das Gesundheits- und Pflegesystem in Deutschland ist auf die exponentielle Verbreitung und die Infizierten nicht vorbereitet.

Stichwort: Kapazitäten aufbauen

Das Wort in aller Munde ist “Kapazitäten”. Egal, ob es sich um Kliniken oder Apotheken handelt, die Aufnahmefähigkeit dieser ist begrenzt und nicht flexibel. Eine schnelle Ausbreitung bedeutet viele Infizierte – allerdings können die Intensivstationen in dieser Situation nicht angemessen handeln. Die Zahl der Patienten übertrifft langsam die der verfügbaren Betten und Beatumungsplätzen. Dieses Ungleichgewicht könnte im Extremfall zu harten und diskutablen Entscheidungen führen. Einige Ops, sofern vertretbar, werden verschoben, um Kapazitäten für Corona-Patienten freizuhalten. Aber auch die Hausarztpraxen dieses Landes kommen an ihre Grenzen. Die Anfrage und Befürchtung einer Infektion in der Gesellschaft stellt die Praxen auf Probe.

Apotheken zählen zu den Einzelhändlern, deren Öffnung auch in der Pandemie gewährleistet wird. Nicht nur Atemschutzmasken werden außergewöhnlich stark nachgefragt, auch Desinfektionsmittel ist ein beliebtes Gut zu dieser Zeit. Ein Engpass soll durch eine kontrollierte Stück-pro-Abnehmer geregelt werden. Bei der allgemeinen Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen Medikamenten sehen die Apotheken keine Engpässe, diese sei gesichert.

Die Epidemie sorgt auch für eine Knappheit an Sicherheitsausrüstung, die das Personal in Praxen und Kliniken benötigt. Der Kampf um Schutzmasken ist bereits seit längerem ein Thema in der Bevölkerung. Mit Atemschutzmasken versucht sich die Bevölkerung vor dem Coronavirus zu schützen. Die angestiegen Nachfrage nach Masken zeichnet sich deutlich ab, da z. B. Apotheken bereits am Eingang mit Schildern den Kunden aufmerksam machen, dass die Schutzmasken bereits ausverkauft sein. Grund für die Knappheit ist u. a. der Bezug aus China, der natürlich für einen Zeitraum ausfiel. Die Bundesregierung und die einzelnen Bundesländer versichern allerdings die Versorgung des medizinischen Personals mit Schutzbekleidung.

Pflegepersonal überfordert

Die außerordentliche Entwicklung des Coronavirus stellt das deutsche Gesundheits- und Pflegesystem auf den Prüfstand. Bevor das Virus überhaupt Thema war, sah die Lage in Deutschland im Bezug auf den Pflegebereich nicht glänzend aus. Die momentane Situation führt uns den Notstand nur nochmals vor Augen. Es gibt nicht genug Pflegepersonal in deutschen Kliniken und Einrichtungen. Das Verhältnis von Pflegefachkraft und Patienten war bereits vor dem Ausbruch fragwürdig. Gegenwärtig ist leider nicht mehr von fragwürdig zu sprechen – katastrophal trifft es eher. Das Pflegepersonal verspürt einen immensen Druck. Überstunden sind nun kein Ausnahmezustand mehr für Pflegepersonal. Der exponentielle Strom an Patienten macht die ohne hin schon ausgelastete Pflegesituation prekärer.

“Bitte bleiben Sie daheim!”, fordern Mediziner und Pflegepersonal. Eine langsamere Ausbreitung des Coronavirus ist momentan die einzige Möglichkeit die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Mit dieser Maßnahme soll das Gesundheitssystem dem ausgedünnten Ansturm gerecht werden und die Patienten angemessen versorgen können.

 

 

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